Abenteuer Mutter- Kind- Kur oder: eine Erfolgsstory mit Hindernissen

 

Endlich war es soweit! Nach einer langen Zeit des Aufschiebens wurde im Sommer letzten Jahres der ebenso lang gehegte wie gefürchtete Traum einer Mutter-Kind-Kur für mich Wirklichkeit.

Nachdem ich für den Kurantrag einen ganz normalen Tag in meinem Leben als Großfamilienmanagerin geschildert hatte, erhielt ich innerhalb von drei Tagen die Zusage der Krankenkasse, dass ich offiziell für erholungsbedürftig befunden wurde. Die Freude war groß, als ich noch am selben Tag einen Platz in meiner Wunschklinik auf Langeoog ergattern konnte.

 

Als ich mich im Juni mit drei kleinen Kindern im Gepäck auf den Weg ins Abenteuer Mutter-Kind-Kur machte, war mir zunächst etwas mulmig. Die drei großen Jungs blieben daheim beim Papa, da keiner von ihnen so kurz vor den Sommerferien drei Wochen in der Schule fehlen wollte. Ob sie wohl ohne mich zurechtkommen werden?

Werde ich mit den drei Kleinen eine schöne Zeit erleben, oder wird es ganz schrecklich werden?

Ich hatte im Vorfeld schon viele Geschichten gehört: von liebloser Kinderbetreuung, schlechten Unterkünften und unfreundlichem Personal. Die größte Sorge machte mir, dass in der Klinik ein erholungsvernichtender Magen-Darm-Virus die Runde machen könnte. Das soll in solchen Einrichtungen ja bekanntlich öfter vorkommen. Ich war gespannt.

 

Als wir nach sieben Stunden Fahrt mit Auto, Inselbahn und Pferdekutsche in der Kurklinik ankamen, rückten alle Bedenken erstmal in den Hintergrund. Wir waren total verzaubert von dieser wunderschönen Insel. Die Luft schmeckte salzig und roch nach Meer! Wir mussten nur über eine ( ultra- steile ) Düne klettern, und schon waren wir am Strand.

In den ersten Tagen wurden wir mit dem allerschönsten Postkarten-Wetter verwöhnt, was uns den Start in den Kuralltag ungemein versüßte. Denn die Eingewöhnung war mit den Kleinen alles andere als easy-going.

Allein der Besuch im Speiseraum stellte anfangs für mich eine große Herausforderung dar: das Peterchen war wenige Tage zuvor zwei geworden und verstand noch nicht so recht, warum man mit den kleinen Händchen nicht einfach ins Buffet greifen durfte. Autonomiephase sei dank zog dies zunächst regelmäßige Schreianfälle nach sich. Die Vierjährige stritt sich mit ihrer sechsjährigen Schwester, während ich schweißgebadet zwischen Buffet und Tisch hin und herlief, um meine hungrige (und lautstarke) Meute mit Essen zu versorgen. Dennoch war ich von Anfang an begeistert und wirklich dankbar, dass ich mir keine Gedanken ums Kochen und Spülen machen musste, sondern einfach nehmen durfte. Was für ein Geschenk!

 

Als ich meinen „Therapie-Plan“ bekam, wurde meine Begeisterung zunächst etwas ausgebremst. Darauf waren die für mich vorgesehenen Termine aufgelistet , wie z.B. Yoga, Beckenboden – und Wassergymnastik, Nordic Walking und Ernährungsberatung. Eigentlich alles ganz tolle Angebote, doch ich hatte für meine Kur andere Pläne.

Etwas kleinlaut klopfte ich also an die Tür unseres Kurarztes, um mit ihm über die Termine neu zu verhandeln. Dr. Reimann schaute alamiert auf und beeilte sich zu fragen: „Sind es nicht genug Therapien?“ Doch ich bat ihn darum, einiges zu streichen. Ich erklärte, dass ich mir für diese drei Wochen vor allem zwei Dinge wünschte:

  1. Zeit für mich.

    Vormittags wünschte ich mir Zeit, um zur Ruhe zu kommen, in mich hineinhören zu können, um mich wieder selbst zu spüren. Einfach nur ich zu sein. Nicht Mutter, nicht Partnerin, nicht Freundin. Einfach nur ich.

  1. Zeit für die Kinder.

    Ich wünschte mir nachmittags intensive Zeit für diese drei kleinen Kinder, die im heimatlichen Alltagstrubel nur allzu oft einfach mitlaufen müssen.

Erleichtert stellte ich fest, dass ich weder verhandeln noch diskutieren musste. Zusammen gingen wir den Plan Punkt für Punkt durch, und Dr. Reimann strich vieles. Schließlich blieb noch Nordic Walking, Massage und  Gesprächstermine bei der Therapeutin Frau Howel stehen.

Und natürlich die Seminare meines wunderbaren Kurarztes.

Dr. Reimann selbst war nämlich ein ganz besonderes Highlight unseres Kuraufenthaltes.

Gleich in einer der ersten Nächte machte mir meine Neigung zu einer bestimmten Herzrythmusstörung so sehr zu schaffen, dass ich um zwei Uhr nachts den hausinternen Notruf wählen musste. Ich war in diesem Moment so dankbar, an einen Arzt geraten zu sein, der nicht genervt versuchte, mich schnell wieder abzuwimmeln um weiterschlafen zu können, sondern der mich durch seine ruhige, freundliche und zugewandte Art unglaublich beruhigte. Er gab mir auch den entscheidenden Hinweis, wie ich das Herzrasen durch Druck auf den Nervus vagus schnell selbst unterbrechen konnte.

Noch nie zuvor habe ich einen Menschen kennengelernt, der so viel positive Energie und Lebensfreude auszustrahlen vermag, wie Dr.Reimann. Ich liebte seine Vorträge, in denen er uns mit Witz und Charme die Kunst des Stressmanagements näher brachte. Ich glaube, vielen meiner Mitstreiterinnen ging es ebenso.

 

In der Mitte unseres Aufenthalts sah ich unseren Kurerfolg jedoch plötzlich akut gefährdet, als die Sechsjährige sich beim Sturz von der Wippe den Arm brach, und das Peterchen recht schwer an einer Bronchitis erkrankte. Er fieberte sehr hoch, und als er auch noch das Trinken einstellte, schien unser Abenteuer zu Ende zu sein.

Dr. Reimann bemühte sich sehr um den kleinen Mann und rief jeden Abend in unserem Zimmer an, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen. Schließlich musste er jedoch ein Ultimatum stellen: „ Morgen müssen wir eine Entscheidung treffen. Wenn es Peter dann nicht deutlich besser geht, werden wir ihn in eine Klinik am Festland einweisen.“

Wie durch ein Wunder (und vielleicht auch durch die Gabe eines Antibiotikums) ging es ab diesem Zeitpunkt mit Peterchen steil bergauf. Das Fieber sank, er fing wieder an zu trinken, und drei Tage später war er so fit, als sei nichts gewesen. Unser Abenteuer durfte weitergehen.

 

Großes Glück hatte ich auch mit einer sehr harmonischen Kurgemeinschaft. Um mein Kurziel nicht zu gefährden, hatte ich mich zwar bewußt dazu entschieden, keine engeren Kontakte zu knüpfen, doch ich kam nicht umhin, ein paar dieser tollen Menschen näher kennenzulernen. Zu einigen von ihnen habe ich immer noch lockeren, sehr netten Kontakt.

 

Unsere Mutter-Kind-Kur war eine unvergessliche, wertvolle und intensive Zeit. Sie hat mich wieder klarer sehen lassen und meinen Blick für das Wesentliche geschärft. Sie hat mich und meine drei Kleinen eng zusammenrücken lassen, und bis heute merke ich noch die Auswirkung dieser drei Wochen auf unsere Beziehung. Wir vier sind ein gutes Team.

Die drei Großen haben es genossen, mal nur „unter Männern“ zu sein und auf kein kleines Gemüse Rücksicht nehmen zu müssen.

Es war bedrückend, Abschied von Langeoog zu nehmen, doch es war unglaublich schön, nach Hause zu kommen.

 

Vier Tage vor der Abreise kam das Gerücht auf, dass in unserer Kurklinik ein agressiver Magen-Darm-Virus ausgebrochen sei. Meine Kinder und ich blieben gesund.

 

Oft wurde gerätselt, wie alt Dr. Reimann eigentlich ist. Man munkelte, er sei schon ziemlich alt.

Ob er wohl bald in Rente geht?

 

Lieber Dr.Reimann, halten sie durch! Nächstes Jahr werde ich einen neuen Kurantrag stellen, und dann möchte ich wieder in Ihren Vorträgen von der Heilkraft des Lachens hören!

Ich werde Sie auch nicht um zwei Uhr nachts aus dem Bett klingeln. Versprochen ;) .

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Kommentare: 2
  • #1

    Janina (Dienstag, 03 Mai 2016 11:40)

    Toll geschrieben, ich hatte ebenfalls das Glück in dieser tollen Klinik und der wunderschönen Insel Kuren zu dürfen.ich war 2015 dort, damals sagte der Dok mir das wir uns höchstwahrscheinlich in 4 Jahren nicht wieder sehen, da er dann in Rente geht. Aber da er glaube ich gar nicht ohne seine gestressten Großen und kleinen Menschen kann, hoffe ich er hängt noch ein oder 2 Jahre dran

  • #2

    Ji Pasko (Freitag, 03 Februar 2017 14:01)


    When I originally commented I clicked the "Notify me when new comments are added" checkbox and now each time a comment is added I get four emails with the same comment. Is there any way you can remove me from that service? Cheers!