Warum tut Ihr Euch das an?! - oder: das Glück der anderen

 

Gro̱ß·fa·mi·lie

 

Substantiv [die]

 

  • aus sehr vielen Personen bestehende Familie.

 

 

 

Immer wieder mal werde ich gefragt, manchmal bewundernd, manchmal mitleidig, wie ich das nur alles schaffe? Und vor allem: warum ich freiwillig diesen Weg gewählt habe? Der Alltag mit so vielen Kindern müsse ja unglaublich anstrengend, chaotisch und nervig sein. „Ich könnte das nicht!“ lautet oft das nüchterne Résumé des Fragenden.

 

Der ganz normale Wahnsinn im Leben einer Großfamilie zeigt sich sehr schön an einem Tag wie heute:

das Pfingstfest fiel mit dem kurzzeitigen Heimatsbesuch der Großeltern zusammen, und so kam es, dass wir uns zu einem der seltenen Familientreffen aufmachten. Wir luden also unseren guten alten Vito voll mit sechs mehr oder weniger gut gelaunten Kindern, die sich noch vor der Abfahrt aufgrund einer in Frage gestellten Sitzordnung heiße Wortgefechte lieferten. Der kleine schwarze Hund schien der Einzige zu sein, der mit seinem Plätzchen zufrieden war. Hauptsache, er durfte mit und wurde nicht wieder irgendwo vergessen.

 

In meinem Elternhaus angekommen, tummelte sich die ganze Schar zunächst im engen Flur, um Omi und Opi, Onkel D. und Tante M. fröhlich zu begrüßen.

Wo wir auftauchen, ist es immer sehr schnell sehr voll. Auf dem kleinen Couchtisch drängten sich die vielen Gläser und Kaffeetassen neben dem Teller mit einem hoch aufgetürmten Waffelberg, der schneller schrumpfte, als man gucken konnte.

 

Die großen Jungs scharten sich um den coolen Onkel D., der immer mit den neusten technischen Geräten und den besten Kenntnissen über alle angesagten Games aufwarten kann. Heute hatte er für den Elfjährigen sogar einen alten Laptop wieder fit gemacht, was für große Begeisterung beim Beschenkten und für vorrübergehenden Unmut bei den Leer Ausgegangen sorgte.

 

Während sich die übrigen Männer angeregt über die lückenhafte Sicherheit sozialer Medien unterhielten, ließ das Peterchen zu ihren Füßen einen Spielzeugbagger sehr geräuschintensiv über den Boden scheppern. Die Mädchen hüpften vergnügt zwischen den Umhersitzenden herum, bevor sie das alte Kinder-Keyboard meines Bruders fanden und reaktivierten. Sehr zum Leidwesen ihrer Großmutter, die schon vor Jahrzehnten den Kauf dieses Spielzeugs des öfteren bereut hatte.

 

Es herrschte ein beeindruckender Lärmpegel: es flirrten Gesprächsfetzen, Lachen, zarter Kindergesang und eindringliche Keybordtöne durch die Luft. Nur der kleine schwarze Hund versuchte, möglichst unbeteiligt zu gucken und unbemerkt unter den Tisch zu schleichen, um sich in Ruhe die heruntergefallenen Waffelkrümel einzuverleiben.

 

Nur widerwillig ließen sich die Kinder am Ende des Tages zum Aufbruch bewegen. Zu schön war es, endlich nochmal mit den geliebten Großeltern herumzualbern oder mit Onkel D. über die coolsten Games zu fachsimpeln. Als ich schließlich alle Familienmitglieder im Auto wähnte und die Schiebetür zuzog, riefen meine lieben Verwandten fürsorglich: „ Hast Du denn auch den Hund nicht vergessen?!“ Ich winkte lachend ab. Während ich mich fragte, ob ich ihnen den Zugriff auf meine Blog-Artikel in Zukunft nicht besser verwehren sollte, schielte ich schnell nochmal unauffällig in den Innenraum, doch der kleine Schwarze hatte sich brav auf seinem Platz zusammengerollt. Puh, Glück gehabt!

 

Auf der Rückfahrt schlief das Peterchen, aller Unterhaltungsversuche seiner Geschwister zum Trotz, ein. Eltern wissen, was das bedeutet: es würde ein langer Abend werden...

 

Warum schaffe ich das alles, und weshalb habe ich diesen Weg freiwillig gewählt?  

Weil ich dieses Leben liebe! Ich liebe die Lebendigkeit, das Lachen, die Lebensfreude und den ganzen Trubel genauso wie die alltäglichen Herausforderungen, auch wenn andere sich diesen Weg für sich nicht vorstellen können und ihr Glück anders definieren!

 

Das Peterchen ging trotz spätnachmittäglichen Power Naps problemlos zur gewohnten Uhrzeit ins Bett. Doch anstatt den freien Restabend mit mir gemeinsam zu genießen, erlag der Mann seiner Nachnachtdienstmüdigkeit und schlief schon gegen 20 Uhr auf der Couch ein. So kam es, dass ich allein vor dem Computer saß und diesen Artikel schrieb.

Aber naja, wessen Leben ist schon perfekt ? ;)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ina (Dienstag, 24 Mai 2016 21:06)

    Ich beneide dich um dein Leben. So hart und stressig es auch ist, so wundervoll ist es auch. Und du hast eine großartige Familie. Jeder hat andere Bedürfnisse. Deswegen können sich viele dein Leben nicht vorstellen und wären damit nicht glücklich. Kannst du dir ein kinderloses Leben mit einer großartigen Karriere in einem langweiligen Büro vorstellen? - ich mir auch nicht

  • #2

    Dia Claro (Sonntag, 05 Februar 2017 23:38)


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