Großfamilie ist : die Abwesenheit von Langeweile

Eigentlich versprach es, ein ganz ruhiger Tag zu werden.

Es war Montag, und nach dem Trubel eines vollgepackten Wochenendes plätscherte der Vormittag angenehm ereignislos vor sich hin.

 

Erst nachmittags standen ein elternbegleitetes Playdate unseres Jüngsten und später der Fahrdienst zum Fußballtraining des Elfjährigen an. Da der Mann dienstfrei hatte, konnten diese Termine bequem unter uns aufgeteilt werden.

 

 

Nachdem ich das in froher Erwartung auf mich zu springende Peterchen von der Kita abgeholt hatte, machten wir uns auf den Weg ins Nachbardorf, wo seine kleine Freundin schon sehnsüchtig auf ihn wartete. Auch ich freute mich auf einen entspannten Nachmittag mit netter Mama-Unterhaltung bei Kaffee, Kuchen und Kuscheln mit dem Babybruder.

 

Wir hatten es uns gerade so richtig gemütlich gemacht: Peterchen und seine kleine Freundin spielten fröhlich und friedlich mit pädagogisch wertvollem Holzspielzeug, der süße Babyjunge qietschte vergnügt auf meinem Arm und ließ mich wieder einmal an meiner abgeschlossenen Familienplanung zweifeln, während wir Mamas uns gerade angeregt über interessante Themen austauschten, da klingelte mein Handy. Als ich den Anruf annahm, hörte ich, wie mein Mann etwas erklären wollte, doch er wurde von lautem Kindergeschrei übertönt.

 

 

 

Zunächst hörte ich nur den Satz: „es blutet ziemlich stark.“ heraus.

 

Nur langsam drang die Information zu mir durch, dass die Fünfjährige bei dem Versuch, den hohen Barhocker in der Küche zu erklimmen, abgerutscht war und sich den oberen Schneidezahn an der Tischkante ausgeschlagen hatte.

 

Nach kurzer Lagebesprechung kamen wir zu dem Schluss, dass die Kleine zum Zahnarzt müsse, um sicher zu gehen, dass keine weitreichenderen Verletzungen vorliegen.

 

Sofort sprang in meinem Kopf die imaginäre Checkliste an, was nun akut für einen reibungslosen Ablauf des Rest-Nachmittags zu tun sei:

 

  • die Siebenjährige hielt sich bei ihrer Freundin in der Nachbarschaft auf. Da bei den Kindern das „House-Hopping“ sehr beliebt ist, musste ich dort Bescheid sagen, dass bei uns zu Hause vorübergehend kein Erwachsener anwesend sein würde.

  • Der Elfjährige musste zum Fußballplatz gefahren werden.

  • Idealerweise sollte Peterchen seinen Besuch nicht abbrechen müssen.

 

 

 

Also gab ich zunächst die Information über die Abwesenheit Erziehungsberechtigter in unserem Hause weiter, rief meinen Sohn an, um ihn daran zu erinnern, dass er sich nun langsam in seine Trainingskluft werfen müsse (bitte die Schienbeinschoner nicht vergessen, und auch das Auffüllen der Getränkeflasche ist durchaus sinnvoll!) und besprach mit meiner lieben Gastgeberin, dass das Peterchen während meines Fahrdienstes bei seiner Freundin allein bleiben konnte. Glücklicherweise war mein besuchsunerfahrenes Kind spontan begeistert davon, dass seine Mutter für ein paar Minuten davon fliegen wollte.

 

In Windeseile fuhr ich nach Hause, wo ich erstmal über einen Haufen herumliegender Schuhe stolperte und nebenbei missbilligend wahrnahm, dass noch die Töpfe vom Mittagessen auf dem Tisch standen, dekoriert mit jeder Menge Reis, der beim Auffüllen offensichtlich daneben gefallen war.

 

Schnell fügte ich meiner Liste die Punkte :

 

  • Chaos beseitigen

  • den Familienrat einberufen und Aufgabenverteilung erneut besprechen

 

hinzu.

 

Überrascht nahm ich allerdings zur Kenntnis, dass mein Anruf offensichtlich Wirkung gezeigt hatte, denn mein Elfjähriger stand tatsächlich gestiefelt und gespornt zur Abfahrt bereit. Nur die Getränkeflasche musste ich doch noch befüllen, aber da möchte man ja nicht kleinlich sein.

 

 

 

Nachdem ich den sportwilligen Sohn beim Fußballplatz abgeworfen hatte, flog ich zurück zum Peterchen, das mich noch überhaupt nicht vermisst hatte.

 

Immerhin blieben mir nun noch einige Minuten, um nochmal das Baby zu schunkeln, sein weiches, warmes und herrlich duftendes Köpfchen zu streicheln und ein paar vollständige Sätze mit seiner Mutter zu wechseln, bevor es wieder heimwärts gehen musste.

 

Dort begrüßte mich mein noch sichtlich mitgenommenes Töchterchen und zeigte mir tapfer ihre beeindruckende Zahnlücke. Es galt noch die Frage zu klären, ob die Zahnfee auch käme, wenn das Kind den Zahn auf nicht ganz natürliche Weise verloren hätte, doch da konnte ich sie beruhigen. So eine Zahnfee will doch schließlich nur das eine, da ist es eher nebensächlich, ob der Zahn freiwillig herausfiel oder eine böse Tischkante nachgeholfen hat.

 

 

 

Schließlich waren alle Kinder wieder eingesammelt, durch das Abendprogramm geschleust und liebevoll zu Bett gebracht, das Chaos war beseitigt und der kleine schwarze Hund zur Abendtoilette begleitet, als ich überlegte, ob es vielleicht sinnvoll sei, meine Checkliste mal zu Papier zu bringen, damit ich nicht immer alles im Kopf behalten müsste?

 

Doch ich war müde und meine Lieblingsserie lockte, deshalb sank ich lieber auf die gemütliche Couch und seufzte wie einst Scarlett O'Hara : „aber nicht heute, verschieben wir's auf morgen!“ ;)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Ina (Dienstag, 24 Mai 2016 19:33)

    Wieder einmal ein wundervoller Bericht.

    Und ich hoffe auf noch eine Menge so schöner Playdates ❤️ Und solcher Beiträge ❤️
    Mit euch wird es auch nie langweilig. Nach wie vor solltest du dringend deine Familienplanung überdenken. An eurem gemütlichen Familientisch ist noch Platz, finde ich.

    Gut dass das mit Mathilda so glimpflich ausgegangen ist. Offensichtlich scheint das Zahnthema öfter aufzutreten wenn unsere Kinder ihre Superdates haben

  • #2

    Juliane (Mittwoch, 25 Mai 2016 23:50)

    Jawoll, Langeweile ist definitiv ein Fremdwort in einer Großfamilie! :D Und das mit der Was-muss-denn-jetzt-anders-gemacht-werden-Checkliste im Kopf kenne ich auch sehr gut ... Mein zweitältester war gerade mal vier, als er seine oberen beiden Schneidezähne eingebüßt hat ... Spannende Familie hast Du jedenfalls, ich freue mich immer, was von Euch zu lesen!
    Liebe Grüße

  • #3

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