Back to Basic oder: Familienurlaub im Kloster

 

Als meine Großkinder erfuhren, dass ich unseren diesjährigen Sommerurlaub im „Haus Kloster Loccum“ auf Langeoog gebucht hatte, waren sie zunächst wenig begeistert.

 

Sofort hatten sie Bilder vor Augen von mysteriösen Menschen in Mönchskutten, die mit gesenkten Häuptern durch alte Flure wandern. Selbst die Aussicht auf ein tägliches Frühstücksbuffet konnte sie nicht überzeugen. „Da gibt es sicher nur Wasser und Brot,“ mutmaßte der Zwölfjährige. „Und Bibelstunden und Gebete“.

Irgendwann gab ich es auf, erklären zu wollen, dass unser Feriendomizil zwar durchaus christlich geführt, aber keineswegs ein „echtes“ Kloster war. Allerdings gab es in den Wohnungen keinen Fernseher, keinen PC und keine Spielekonsolen, und allein schon deshalb versprach es, ein abenteuerlicher Urlaub zu werden.

 

Für den Notfall (sehr schlechtes Wetter, kranke Kinder) packte ich den Laptop und einige DVDs ein.

 

Doch unser Start ins Ferienabenteuer begann etwas holperig, als wir  nach einer eigentlich völlig entspannten, staufreien Fahrt, die 16 – Uhr - Fähre ganz knapp zu verpassen drohten. Denn Muttern verlangte es unterwegs unbedingt noch nach einen Schüttel-Kaffee aus dem Kühlregal. Meinen Schüttel- Kaffee brauche ich wie Raucher ihre „Zigarette danach“. Ohne Schüttel-Kaffee geht gar nichts. Und die fünf Minuten, die ich für den Kauf meines leckeren Kaltgetränkes benötigte, fehlten uns dummerweise nachher auf dem Weg zur Fähre.

 

Um 15:50 Uhr erreichten wir den Hafen von Bensersiel. Im Eilflug wurden Kinder, Körbe, Koffer aus dem Auto geworfen und auf die Fähre befördert, der Mann organisierte die Fahrkarten, während ich unseren Van zu „Arians Garagen“ brachte. Punkt 16 Uhr waren wir alle auf der Fähre, ein wenig abgehetzt aber glücklich, dass tatsächlich alles noch reibungslos funktioniert hat.

 

Drei Minuten später fiel dem Mann auf: der Laptop ist in dem ganzen Trubel im Auto geblieben. Was bei den Großkindern für lange Gesichter sorgte, konnte mir die Laune nicht verderben.

 Ich stand an Deck mit den Kleinen, die begeistert und vorfreudig ihre Näschen in den frischen Wind hielten, und freute mich unbändig auf meine geliebte kleine Insel, auf zehn Tage ganz ohne Auto, ohne störende Medien und vor allem: auf ganz viel Zeit! Familienzeit!

 

In Unserer Unterkunft angekommen, hellte sich die Stimmung der Großen wieder etwas auf. Unsere Wohnung war erfreulich geräumig, gut ausgestattet und im zweiten Stock mit Blick auf den Wasserturm zur einen, und auf die Dünen zur anderen Seite.

Gleich am ersten Abend zog es uns an den Strand. Es war noch frisch, aber sonnig.

Die großen Jungs tollten herum wie junge Hunde, sprangen über die Wellen und lachten so gelöst, wie ich es schon lange nicht mehr von ihnen gehört hatte. Und ich war mir einfach sicher: dieser Urlaub wird uns allen so gut tun und eine sehr wertvolle Erfahrung werden.

 

Der erste Morgen hielt gleich eine besondere Überraschung für unsere Großjungs bereit: es erwartete sie nicht etwa Wasser und Brot, sondern ein reichhaltiges Frühstücksbuffet mit allem, was das Herz begehrte!

Von nun an zelebrierten wir jeden Morgen das gleiche Frühstücksritual: während die Großen ausschliefen, gingen wir Eltern schon mal mit den Kleinen runter und versorgten sie mit Cornflakes und Orangensaft, schmierten Brötchen, putzen Händchen und Münder ab, nochmal zur Toilette begleiten usw. Danach verschwanden die Kleinen fröhlich in den Tobe- oder in den Spieleraum unweit des Frühstücksraums. Nun trafen nach und nach die Jungs ein, und wir konnten mit ihnen zusammen ein ausgedehntes, unterhaltsames  Frühstück genießen. 

 

 

Der Wettergott meinte es gut mit uns, und so wurde es von Tag zu Tag sonniger und heißer. Wir waren viel am Strand, bauten Burgen und Wassergräben oder wanderten durch die Dünen, besuchten die schönen Spielplätze und den Wasserturm. Mittags gingen wir abwechselnd einen Tag alle zusammen auswärts essen, und am nächsten Tag kochten wir zuhause. Dank Spülmaschine kam dabei kein übermäßiger Stress auf.

 

 

Die frische Seeluft machte unsere quirligen Kinder abends müde. Während das heimatliche Abendritual immer weiter nach hinten ausgedehnt wurde, weil immer einer nochmal aufs Klo muss, jemand an Durst zu verenden droht oder sich das Kuscheltier wieder aus dem Staub gemacht hat, fielen hier die Kleinen gegen 20 Uhr nach einer kuscheligen Gute-Nacht-Geschichte ins Bett und gaben keinen Mucks mehr von sich.

 

Das eröffnete uns ungeahnte Möglichkeiten!

 

Die Großen hielten in der Wohnung für ca. 1,5 Stunden die Stellung, während wir Eltern alleine loszogen. Manchmal erkundeten wir zusammen die Insel, suchten nach dem Haus und dem Grab von Lale Andersen, forschten nach Wohnvierteln der Eingeborenen oder wir gingen einfach nur zum Strand, genossen den zauberhaften, malerischen Sonnenuntergang und redeten über Gott und die Welt.

 

An einem Abend schnappte ich mir meine drei Großen, wir kauften Pizza und zuckerreiche Softgetränke, nahmen alles mit an den Strand und machten ein gemütliches Picknick in der untergehenden Abendsonne. Es war gerade Ebbe, und wir wateten anschließend noch lange im Watt umher. Die Jungs entdeckten Taschenkrebse und beobachteten fasziniert die Muscheltiere, die sich langsam im Sand vergruben.

Es war so schön, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich auf unseren fernsehfreien Abenteuerurlaub einlassen und ihn genießen konnten.

 

Es war eine wundervolle, intensive Zeit als Familie, die leider viel zu schnell zu Ende ging.

 

Nach zehn wundervollen Tagen erwischten wir ohne weitere Zwischenfälle die Fähre zurück ans Festland. Ich stand mit den Kleinen an Deck, ließ mir die frische Seeluft um die Nase wehen und sah wehmütig, wie meine geliebte Insel immer kleiner wurde.

 

 

 

Wir werden noch lange von dieser wertvollen gemeinsamen Zeit zehren, und fürs nächste Jahr planen wir bereits den nächsten Urlaub dieser Art. Vielleicht wagen wir uns dann mal nach Spiekeroog, dort sollen sogar Fahrräder nicht uneingeschränkt erlaubt sein.

 

Oder wie mein Zwölfjähriger sagt: ein input – armer Urlaub wie auf Langeoog – nur krasser ;) .

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Denise Tobler (Dienstag, 02 August 2016 14:25)

    Hallo,

    Ganz ganz wunderbar geschrieben. Hatte Grad das Gefühl bei euch dabei zu sein und habe nun ebenfalls das Gefühl mich frischer und erholter zu fühlen, nach diesen wunderbaren Zeilen von Strand, Sonne und Meer.
    Danke.
    Alles Liebe Denise