Von der Großfamilien-Mama zur WG-Verwalterin - eine Metamorphose

 

Lange ruhte mein Blog im seligen Dornröschenschlaf. Viele Baustellen und Veränderungen nahmen mich so sehr in Anspruch, dass mein Inselfamilien- Baby immer mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Kürzlich jedoch mogelte sich eine Mail des Homepage - Anbieters aus dem Spam – Ordner in meinen Posteingang, und so öffnete ich nach einer gefühlten Ewigkeit zum ersten Mal wieder meine einst sehr gehegte und geliebte Blog – Seite. Schmunzelnd las ich mir meine alten Beiträge durch, und ab und zu seufzte ich und murmelte in verklärter Wehmut ein „ach – das waren noch Zeiten!“ vor mich hin.

 

Die Anekdoten erscheinen mir heute wie aus einem anderen Leben. Rückblickend drängt sich mir hier und da die Frage auf, wie ich das damals alles bloß geschafft habe, mit diesen vielen kleinen quirligen und bedürfnisstarken Kindern! Es war eine aufreibende und spannende Zeit, die kaum Luft und Raum für mich selbst zuließ. Das war okay, denn schließlich füllte mich diese großartige Aufgabe völlig aus, und auch wenn ich immer schon gern Frau und nicht „nur“ ausschließlich „die Mama“ war, hatte ich weder Zeit noch Muße, mich mit etwas anderem zu beschäftigen als mit meiner Familie.

 

 

Drei Jahre können in der akuten Familienphase einen Quantensprung bedeuten.

 

Aus sechs wuseligen, wilden und fröhlichen (Klein-)Kindern wurden große Menschen, mit denen man nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße plötzlich auf Augenhöhe anregende Gespräche führt, spannende Themen diskutiert und nervige Konflikte ausfechtet.

 

Seit die drei Großen zu Teenagern herangewachsen sind, und die drei Kleinen das Windel - und Bobbycar- Alter nun auch endgültig hinter sich gelassen haben, hat sich die Familiendynamik sehr verändert. Wo sich vor einiger Zeit noch sechs Kinder um den besten Sitzplatz im Familienbus stritten, kann ich heute kaum noch jemanden zu einem gemeinsamen Sonntags-Familien-Ausflug motivieren. Schon länger ist der Mercedes Vito vom Achtsitzer zum Fünfsitzer deklassiert worden, und wo früher die Jungs auf Sitzkissen saßen und sich gegenseitig Finger ins Auge pieksten, freuen sich nun die Hunde über eine umgeklappte Rückbank und den neugewonnenen Platz für ihre Transportbox.

 

Aus den ersten drei kleinen Chaoten sind nun fast schon junge Männer geworden, die ihre spärliche Freizeit mit Tanzkursen, Freunden und Feiern selbst füllen und managen. Dank ihnen fühle ich mich neuerdings wie eine Mitbewohnerin in einer großen WG. Ständig ist mein Wohnraum von jungen, mir oft nur flüchtig bekannten Menschen bevölkert, die meinen Kühlschrank leer futtern oder am Badezimmer just in dem Moment vorbeilaufen, wenn ich lediglich in ein zu kurzes Badetuch gehüllt, beschwingt und gedankenlos in den Flur hinaus hüpfe.

 

Die Alleinherrschaft über meine Küche musste ich vor geraumer Zeit resigniert aufgeben, als die Herren Söhne anfingen, sich gern auch mal um zwei Uhr morgens eine Pizza in den Ofen zu werfen.

 

Auch meine drei Kleinen brauchen längst nicht mehr diese engmaschige Kontrolle und Bespaßung, die sie noch bis vor einiger Zeit benötigten und forderten, sondern düsen bereits weitestgehend selbständig durch das kinderreiche Neubaugebiet unseres beschaulichen Vorstädtchens. Meine größte Sorge ist mittlerweile, zu warten und zu hoffen, dass abends irgendwann alle wieder vollständig und wohlbehalten ins Nest zurückkehren.

 

 Nur langsam sickerte in mein Bewusstsein, dass sich durch diesen schleichenden Wandel von heißer

 Baby- und Kleinkinderbetreuungsphase hinzu große -Kinder -ins -Erwachsenwerden-begleiten auch für mich ganz neue Zeitfenster öffneten. Immer öfter nahm ich Ressourcen wahr, die lange Zeit verschüttet oder einfach in den Hintergrund geraten waren: mal wieder ein gutes Buch in die Hand nehmen oder mit meinen wunderbaren Hunden stundenlang durch die Natur laufen, einfach drauf los, die Frische Luft in mich hineinsaugen, atmen, sein.

 

Mich mit meinen Freunden treffen! Diese vielen tollen Menschen, für die ich all die Jahre immer nur am Rande Zeit hatte. Alte Freundschaften wieder intensivieren und neue, spannende Menschen in mein Leben lassen …. Auch wenn es welche gab, die wie ein Tsunami einmal alles durchgewirbelt und am Ende nichts als Verwüstung zurück gelassen haben, so freue ich mich umso mehr über diese, die mir dabei halfen, die Scherben wieder zusammenzukehren, mit mir den Staub von den Knien klopften und daraus eine witzige Geschichte machten, über die wir uns alle beim nächsten Mädelsabend herzlich kaputt lachen können.

 

 Last but not least kam auch etwas in mein Leben zurück, das lange Zeit von meinem Bildschirm verschwunden war: mein Beruf. Doch das ist eine so umfangreiche und von Ambivalenz geprägte Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll.

 

 Bei aller neugewonnenen Freiheit jedoch ist und bleibt es natürlich meine größte, wertvollste und wichtigste Aufgabe, diese sechs jungen Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, bei Bedarf Tränen zu trocknen oder gemeinsam Freudentänze zu tanzen.

 

 Früher fürchtete ich den Anruf aus dem Kindergarten, der mich darüber informierte, dass sich mein Kind auf das Puzzle seines Nebenmanns erbrochen hatte, heute lassen mich Anrufe wie diese von einer Sekunde zur anderen um Jahrzehnte altern:

 

 Mama?“ - „Ja hallo mein Sohn. Was gibt’s?“ - „Ähmja, meine Freundin bekommt ein Kind.“ - „ …..“ - „ Mama?“ - „ Äääh...ja...also...was?“ - „War ein Scherz, wir spielen gerade Wahrheit oder Pflicht!“ - „ ….* schnappnachLuft *“ .

 

 Zusammenfassend lässt sich wohl sagen : es wird nicht langweilig ;) !